Jameson Force Security Group: Codename: Revenge

Originaltitel: Code Name: Revenge (Jameson Force Security Book #9)
Übersetzer: Oliver Hoffmann

Erscheint: 10/2022
Serie: Jameson Force Security Group
Teil der Serie: 9

Genre: Contemporary Romance, Romantic Thrill

Location: USA, Pittsburgh, Miami


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-570-9
ebook: 978-3-86495-571-6

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Jameson Force Security Group: Codename: Revenge


Inhaltsangabe

Nennen Sie mich einfach Dozer Burney.
Ich bin eine Hälfte des genialen, hochintelligenten Duos, das die Jameson Force Security Group an der Spitze der Sicherheitstechnologie hält.
Mein beruflicher Wechsel von der NASA zur Jameson Force Security Group führt mich zurück an die Ostküste der USA, und somit zu den Menschen, die mir am meisten bedeuten.

Seit dem College ist Jessica Anderson meine beste Freundin. Die alleinerziehende Mutter, die sich einst mit einem überaus gefährlichen Mann eingelassen und der Polizei geholfen hat, diesen hinter Gitter zu bringen, lebt seitdem ein ruhiges Leben mit ihrer Tochter in Miami. Beider Sicherheit hängt davon ab, dass er eingesperrt bleibt.
Als ich die Information erhalte, dass er aus dem Hochsicherheitsgefängnis geflohen ist, weiß ich, dass er sich an Jessica rächen will.

Jetzt ist es ein Wettlauf mit der Zeit, um Jessica vor ihm zu erreichen.

Sie mit meinem Leben zu beschützen, ist für mich selbstverständlich, denn insgeheim liebe ich Jessica bereits seit unserem Kennenlernen.
Und wenn wir beide lebend hier herauskommen, werde ich dafür sorgen, dass sie von meiner Liebe weiß – jeden Tag für den Rest unseres Lebens.

Über die Autorin

Seit ihrem Debütroman "Off Sides" im Januar 2013, hat Sawyer Bennett mehr als 90 Bücher von New Adult bis Erotic Romance veröffentlicht und es wiederholt auf die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today geschafft.
Sawyer nutzt ihre Erfahrungen...

Weitere Teile der Jameson Force Security Group Serie

Leseprobe

Jessica

Es war ein angenehmer Traum. Einer von denen, aus denen man nicht aufwachen will, allerdings kann ich mich nicht mehr an die Einzelheiten erinnern. Es ging um einen Mann – ich konnte sein Gesicht nicht sehen, aber wir gingen zusammen an einem Strand spazieren, und es fühlte sich einfach richtig an.
Friedlich.
Ich bemühe mich, dieses Gefühl festzuhalten, doch ein lautes Klopfen an der Haustür veranlasst mich, langsam die Augen zu öffnen. Es ist noch nicht Tag, aber das bläulich-graue Licht, das durch meine Jalousien dringt, verrät mir, dass der Morgen naht.
Gähnend drehe ich mich um und schaue auf...

...die Digitaluhr auf meinem Nachttisch. Die roten Ziffern scheinen wütend zu verkünden, dass es kurz nach sechs Uhr morgens ist und dass um diese Zeit niemand an die Tür klopfen sollte.
Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall.
Ich springe aus dem Bett und falle beinahe auf die Nase, weil sich mein Bein im Bettlaken verheddert hat. Nachdem ich es befreit habe, taumle ich zur Tür und stoße mit der Schulter hart gegen den Holzrahmen.
„Scheiße“, knurre ich, während ich den kurzen Flur entlangeile, durchs Wohnzimmer laufe und fast mit dem Gesicht gegen den Türspion stoße, um zu sehen, wer da draußen ist.
Erleichterung darüber, keine Polizeiuniform zu sehen, durchströmt mich.
Dann Verwirrung.
Vor der Tür steht Dozer, und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, warum er so früh am Morgen unangemeldet auftaucht.
Nicht, dass er nicht willkommen wäre.
Dozer ist hier immer willkommen.
Ich schließe die Tür auf und öffne sie schnell. Noch ehe ich fragen kann, was er hier will, stößt er mich zurück und folgt mir ins Haus. Als er die Tür schließt, will ich eine Lampe einschalten, aber er sagt scharf: „Mach kein Licht an.“
„Was zur Hölle soll das, Doze?“, frage ich, meine ersten Worte, nachdem ich den Schock seiner plötzlichen Anwesenheit überwunden habe.
Sobald er die Tür geschlossen hat, dreht er sich zu mir um und mustert mich im schwachen Licht. In der Hitze Miamis schlafe ich normalerweise in Satin-Shorts und einem Top. Ich trage sogar ein passendes Seidentuch im Haar. Das ist halb so schlimm, weil Dozer eben Dozer ist und er in mir nur eine Freundin sieht, also ist es ihm egal, was ich anhabe.
Aber ein Mädchen darf ja schließlich hoffen, und jetzt wünschte ich, ich hätte das Tuch nicht um den Kopf. Ich befingere es nervös.
„Du musst Thea wecken, und anschließend zieht ihr euch an. Packt schnell das Nötigste ein, dann gehen wir.“
„Was ist …“
„Ivan Borovsky ist aus dem Gefängnis getürmt. Wir müssen hier weg.“ Dozer geht an mir vorbei in den Flur. „Ich wecke Thea, du machst dich schon mal ans Packen.“
„Warte. Mach mal langsam – erklär mir erst mal, was los ist.“
„Im Auto“, erwidert Dozer, was mich nervt. Ich lasse mich ungern abkanzeln, schon gar nicht von Dozer.
Ich mache Licht im Flur, als er Theas Tür erreicht. „Sie ist nicht hier. Thea übernachtet heute bei meiner Mutter.“
Dozer bleibt stehen und dreht sich zu mir um, als es ihm dämmert. „Gigi-Nacht.“
Ich nicke lächelnd. „Gigi-Nacht.“
Seit Theas Geburt ist sie fast jeden Samstagabend bei meiner Mutter, oder besser gesagt, bei ihrer Gigi. Sie lackieren sich gegenseitig die Fingernägel, sehen sich Filme an und essen schrecklich viel Junkfood, aber Thea liebt es sehr und erinnert sich liebevoll an jeden dieser Besuche.
Dozer schimpft nicht mit mir, weil ich das Licht im Flur anmache, und ich schimpfe nicht mit ihm, weil er mich wieder so ansieht. Wir sind schließlich Freunde. Das ist vermutlich alles, was wir je sein werden, doch ich habe mir immer etwas anderes gewünscht.
Doch ich nehme, was er mir gibt, und bin dankbar dafür, denn dieser Mann war bei jedem wichtigen Ereignis in meinem Leben für mich da, seit wir mit achtzehn aufs College gegangen sind. Ich kann mich auf ihn verlassen, und er liebt Thea, als wäre sie seine eigene Tochter.
Dozer sieht mir in die Augen. „Wir müssen deine Mutter anrufen. Ich wollte eigentlich dort vorbeifahren und sie abholen, aber um Zeit zu sparen, sollte sie uns in dem Hotel treffen, das ich gebucht habe. Zieh dich an und pack eine Tasche. Ich rufe deine Mutter an.“
„Dozer!“, rufe ich panisch. Ich habe ihn noch nie so konzentriert gesehen, und seine fest zusammen gebissenen Zähne verraten mir, dass er tief besorgt ist. „Nimm dir bitte eine Minute Zeit und erklär mir alles. Dann lege ich los.“
Mit einem Stoßseufzer fährt er sich mit der Hand über den kahlen Kopf, schlägt einen Moment lang die Augen nieder, als wolle er seine Gedanken sammeln. Nachdem er meinen Blick wieder erwidert, ist seiner nicht weniger beunruhigt als vorhin auf meiner Türschwelle.
„Du hast gesagt, Borovsky sei entkommen?“, frage ich. „Wie? Wann?“
„Ersteres weiß ich nicht, aber ich habe die Meldung vor etwa sieben Stunden erhalten.“
Ich denke über die Zeitabläufe nach und konzentriere mich dabei vor allem auf die Tatsache, dass Dozer sich ganz schön beeilt haben muss, um so schnell von Pittsburgh hierher zu kommen. „Du glaubst, er kommt her, um sich an mir zu rächen?“
„Nein, ich weiß es“, sagt Dozer ärgerlich, „und du weißt es auch. Mein Gott, JJ … Er war von dir besessen. Deine Aussage bei der Polizei war der größtmögliche Verrat. Er hat sogar aus dem Gefängnis heraus versucht, dich ermorden zu lassen.“
Ich winke ab. „Alles nur Angeberei. Der Versuch wurde verhindert, und in den letzten fünf Jahren hat er die Füße stillgehalten.“
Das scheint Dozer wütend zu machen – eine Emotion, die ich bisher nur ein einziges Mal in seinem Gesicht gesehen habe, und damals galt sie zum Glück Chase, nicht mir. Mit einem Schritt steht er vor mir, und ich muss den Kopf in den Nacken legen, um ihn anzusehen. Seine dunklen Augen sind von etwas getrübt, das ich als Angst bezeichnen würde. „Dieser Mann hat dir anlässlich seiner Verurteilung im Gerichtssaal gedroht. Er sagte, er würde dich jagen und ausweiden. Du nimmst das vielleicht nicht ernst, aber bist du bereit, Theas Leben zu riskieren, wenn ich recht habe und du falsch liegst?“
Bei diesem Gedanken gefriert mir regelrecht das Blut in den Adern. „Glaubst du, er kommt wirklich her?“
Dozer nickt entschieden. „Die Wahrscheinlichkeit ist zumindest sehr hoch. Wir müssen dich nur irgendwo sicher verstecken, bis er wieder gefasst wird.“
„Aber wo?“, will ich wissen.
„Erst mal fahren wir in ein Hotel, aber vor allem dürfen wir jetzt keine Zeit mehr verlieren, JJ.“ Dozer ist einer der wenigen, die mich so nennen. Mein voller Name ist Jessica Jayne Anderson. Gelegenheitsbekanntschaften nennen mich Jessica, viele meiner Freunde Jess, aber die einzigen beiden Menschen auf der Welt, die mich JJ nennen, sind meine Mutter und Dozer, und es drückt entweder Zuneigung oder Groll aus.
„Wie viel muss ich packen?“, frage ich.
„Für mindestens eine Woche“, erwidert er und geht zum Zimmer meiner Tochter. „Ich rufe deine Mutter an, während ich Theas Zeug packe, und dann brechen wir auf.“
„Okay“, antworte ich, wobei seine Dringlichkeit meine Panik noch verstärkt. Ich bin froh, dass Dozer meine Mutter anruft – ihm wird sie zuhören, ohne Fragen zu stellen. Sie hält ihn für den Nabel der Welt und wird viel schneller reagieren als ich, nur weil Dozer etwas sagt.
Ich laufe in mein Zimmer und fühle mich verloren. Ist Ivan wirklich hinter mir her?
Es ist seltsam, nach all den Jahren an ihn zu denken. Nach seiner Verurteilung habe ich ihn aus meinem Leben gestrichen und bin weitergezogen. Natürlich war er damals nicht Ivan Borovsky für mich. Er war ein Betrüger, der auf den Namen Alex Smith hörte. Er ließ mich glauben, er sei ein seriöser Geschäftsmann, war aber in Wirklichkeit ein höheres Mitglied eines russischen Verbrechersyndikats mit Sitz hier in Miami.
Er ist außerdem ein Killer.
Ich schaudere beim Gedanken daran, wie leicht ich hätte sterben können, als ich die Wahrheit über ihn erfuhr. Eine Welle des Abscheus und des Selbsthasses erfüllt mich, wenn ich daran denke, dass ich mit diesem Mann intim gewesen bin.
„Wenn du passende Klamotten für kaltes Wetter hast, pack die auch ein“, ruft Dozer aus Theas Zimmer. Das reißt mich aus meinen Grübeleien, und ich gehe zur Kommode.
„Fahren wir denn nach Norden?“, rufe ich zurück.
„Vielleicht“, sagt er nur, und ich weiß, dass wir im Moment weder Zeit noch Energie auf diese Details verschwenden dürfen. Dozer ist der klügste Mann, den ich kenne. Viel klüger als die meisten anderen Menschen auf dieser Welt. Er weiß schon nach wenigen Stunden, dass Borovsky getürmt ist, und er hat dieses Superhirn, das wahrscheinlich schon alle Wahrscheinlichkeiten von Ivans nächstem Schritt durchgespielt hat.
Ich vertraue darauf, dass er recht hat und die Zeit drängt.
Zunächst schnappe ich mir ein paar Klamotten zum Umziehen, und da wir eigentlich auf der Flucht sind, entscheide ich mich für praktische Kleidung. Trainingsleggins, ein Tanktop, ein Kapuzenpulli mit Reißverschluss und meine Laufschuhe.
Im Bad nehme ich das Tuch vom Kopf und massiere leicht meine Kopfhaut, um die vielen dunklen Locken, die in alle Richtungen sprießen, aufzulockern. Um zu vermeiden, dass mir die Blase platzt, gehe ich pinkeln, wasche mir dann die Hände und putze die Zähne. Im Bad hole ich einen Kulturbeutel unter dem Waschbecken hervor und räume meine vielen Make-up- und Hautpflegeprodukte hinein.
Aus dem Schrank hole ich meinen Koffer und werfe Klamotten hinein, wobei ich mich auf praktische statt auf modische Aspekte konzentriere. Ehe ich fertig bin, steht Dozer wieder im Zimmer. „Das reicht. Gehen wir.“
Ich widerspreche nicht. Was fehlt, kann ich unterwegs kaufen.
Dozer geht zu meinem Koffer und wirft einen Arm voll Klamotten auf meine. Ich lächle, als ich sehe, dass er Theas rosa Lieblingsteddy in der Hand hat. Sie hat zwar nicht mehr das Bedürfnis, vor dem Einschlafen mit ihm zu kuscheln, aber er liegt immer auf ihrem Bett, und Dozer weiß, dass er sie trösten wird. Ich habe das Gefühl, dass wir furchterregende Tage vor uns haben.
Nachdem ich meinen Kulturbeutel auf die Kleidung geworfen habe, schließe ich meinen Koffer. „Hast du meine Mutter erreicht?“
„Sie wird uns am Hotel treffen, wo wir heute Nacht bleiben werden, während wir die Sachlage klären.“
Ich drehe mich zu ihm um, aber da nimmt mir Dozer schon den Koffer ab. Ich folge ihm zur Haustür, wo ich mein Handy und meine Schlüssel in die Handtasche stecke und sie mir über die Schulter werfe.
Als Dozer mir, anstatt die Tür zu öffnen, den Teddybären reicht und eine Pistole aus einem Brustholster unter seiner Jacke zieht, bin ich wie vom Donner gerührt. Er schiebt die Vorhänge zur Seite und linst in die frühmorgendliche Dämmerung hinaus.
„Eine Waffe?“, flüstere ich, ohne zu wissen warum. Aber er hat eine Waffe, und jetzt habe ich Angst, dass jemand vor der Tür stehen könnte. „Du trägst eine Waffe?“
„Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, antwortet er leise.
„Seit wann trägst du bitte eine Waffe?“ Mein Ton wird leicht schrill, obwohl ich immer noch leise rede.
Dozers Blick schweift durch den Vorgarten. „Normalerweise trage ich keine. Aber ich weiß, wie man sie benutzt, und ich gehe kein Risiko ein.“
„Ivan kann noch nicht hier sein. Es ist schlicht unmöglich für ihn, in dieser kurzen Zeit von New York nach Miami zu reisen.“
„Er muss nicht hier sein, um dich zu kriegen.“ Ein Schauer durchfährt meine Brust. Ivan Borovsky hat viele kriminelle Freunde und Familienmitglieder, auf die er sich verlassen kann. Sie wären mehr als glücklich, mich zu entführen und festzuhalten, bis er kommt.
„Scheiße“, murmele ich und lege die Hand auf Dozers Rücken. Ich drücke mich dicht an ihn, als wäre seine bloße Anwesenheit schon Schutz genug. „Siehst du draußen jemanden?“
„Nein.“ Er lässt die Vorhänge los und wendet sich zu mir um, sodass wir praktisch Nase an Nase stehen. Ich trete zurück, um ihm Platz zu machen, während er auf mich herunterstarrt. „Geh schnell zu dem SUV hinter deinem Wagen. Ich habe den Motor laufen lassen. Setz dich auf den Beifahrersitz und verriegele die Tür. Ich werde direkt hinter dir sein.“
„Ich drehe durch“, flüstere ich.
„Du schaffst das schon“, sagt er, nimmt meinen Ellbogen und drückt ihn. Dann schiebt er mich zur Tür.
Ich öffne sie und trete auf die Veranda, Dozer folgt mir. Dann greife ich nach meinen Schlüsseln, um meine Tür abzuschließen, aber Dozer schüttelt den Kopf. „Steig ein. Rasch.“
Ich weiß, dass er nur effizient sein will und dass sich niemand hinter einem Busch versteckt, sonst hätte Dozer mich nicht aus dem Haus gelassen, aber die Tatsache, dass er nicht einmal will, dass ich mir ein paar Sekunden Zeit nehme, um meine Tür abzuschließen, bringt mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, als ob jeden Moment ein Auto voller russischer Mafiosi die Straße entlangkommen würde.
Ich tue, was Dozer sagt, und höre seine Schritte hinter mir auf dem Gehsteig, der meine Veranda mit der Einfahrt verbindet. Er hat einen Chevy Suburban gemietet, und ohne zu zögern öffne ich die Tür und springe praktisch vom Trittbrett auf den Vordersitz. Ich schließe die Tür und beobachte, wie Dozer vorne ums Auto geht und seine Augen die Gegend absuchen.
Er öffnet die hintere Tür, wirft unseren Koffer hinein und knallt sie zu. Dann geht er zur Fahrertür, und gerade als er sie öffnet, sehe ich, wie zwei Männer aus einer Limousine auf der anderen Straßenseite aussteigen und eine kleine Straße entlang gehen. Sie sind ganz eindeutig auf dem Weg zu uns.
„Entschuldigen Sie“, ruft einer von ihnen und versucht, höflich und hilflos zugleich zu klingen.
Dozer wirbelt mit gezogener Waffe zu ihnen herum, und ich bin überrascht, wie schnell er sich bewegt.
Keiner der Männer hat Angst, dass eine Waffe auf sie gerichtet ist, was mir sagt, dass sie nicht auf einer Spazierfahrt sind und nach dem Weg fragen wollen.
Einer von ihnen greift hinter seinen Rücken, aber Dozer knurrt ihn an: „Das würde ich nicht tun.“
Beide Männer heben langsam die Hände, während sie weiter in unsere Richtung kommen und so tun, als ob sie keine Waffe bei sich hätten. Einer der beiden grinst höhnisch. „Was wollen Sie mit der Waffe?“
„Ach, wissen Sie“, sagt Dozer höflich und mit warnendem Unterton. „Nur für den Fall, dass die Russenmafia hier in der Gegend auftaucht.“
Wenn ich nicht solche Angst hätte, würde ich laut auflachen. Es sind eindeutig Ivans Männer, denn sie sehen überhaupt nicht eingeschüchtert aus, und die letzte Bemerkung wischt ihnen das Grinsen aus dem Gesicht.
Langsam kommen sie weiter auf uns zu und erreichen den Bürgersteig in weniger als zwei Metern Entfernung.
„Geben Sie uns einfach das Mädchen, und Sie können weiterfahren“, sagt einer von ihnen.
„Stehenbleiben, oder ich schieße“, antwortet Dozer.
„Oh Gott“, stöhne ich, weil ich Angst habe, dass Dozer überfordert ist. Sie sind zu zweit – ausgebildete Killer, kein Zweifel – und er ist allein, ein ehemaliger NASA-Wissenschaftler, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. „Soll ich die Polizei rufen?“
„Nein“, antwortet er ruhig, die Waffe immer noch auf die beiden Männer gerichtet. Er warnt die beiden Russen: „Keinen Schritt weiter, sonst schieße ich einem von euch ins Bein.“
„Sie würden auf einen unbewaffneten Mann schießen, der einen netten Morgenspaziergang in der Nachbarschaft macht?“, fragt einer der Männer, und jetzt höre ich den unverkennbaren russischen Akzent, den sie zuvor unterdrückt hatten.
„Ja“, antwortet Dozer, bewegt seine Waffe leicht nach rechts und richtet sie auf den Mann, der gerade die Frage gestellt hat. „Aber wir wissen außerdem beide, dass Sie bewaffnet sind.“
Um zu sehen, ob Dozer blufft, macht der Mann einen weiteren Schritt nach vorn.
Dozer senkt die Waffe leicht und drückt ab. Der Knall des Schusses zerreißt die Luft, und ich unterdrücke einen Schrei.
Leider tut der Mann, der gerade eine Kugel ins Schienbein bekommen hat, das Gegenteil und fällt brüllend vor Schmerzen zu Boden.
Der andere Mann weicht zurück, offensichtlich auf der Hut vor dem Hünen, der gerade ohne große Provokation auf seinen Kumpel geschossen hat.
„Auf den Boden“, befiehlt Dozer und nickt dem sich auf dem Bürgersteig windenden Mann zu. „Auf den Bauch.“
Ohne zu zögern, gehorcht der zweite Russe und wirft sich auf den Bürgersteig.
„Wenn du aufsteht, ehe wir außer Sicht sind, schieße ich nochmal.“ Der Kerl starrt ihn an, während der Verletzte wimmert und seine Hände auf das blutende Loch in seinem Bein presst.
Dozer nimmt auf dem Fahrersitz Platz, schwingt die Beine in den Wagen und schließt die Tür, wobei er die Waffe in der Hand behält, während er den Gang einlegt.
Beinahe erwarte ich, dass er aus der Einfahrt herausfährt, aber er lenkte den Wagen ruhig rückwärts, wobei seine Augen zwischen den Männern auf dem Boden und dem Rückspiegel hin und her huschen, um sicherzustellen, dass nichts hinter uns ist.
Ich drehe mich auf dem Sitz, schaue zurück und sage: „Du kannst losfahren.“
Dozer vertraut auf mein Wort und lenkt den großen SUV auf die Straße, sodass die Männer auf seiner Seite des Fahrzeugs sind und nicht auf meiner. Sie starren Dozer an, als er den ersten Gang einlegt, und wir fahren los.
Ich beobachte aus dem hinteren Fenster, wie der Mann, der nicht angeschossen wurde, aufsteht und ein Handy aus der Tasche holt. „Der Typ ruft jemanden an.“
„Wahrscheinlich jemanden, der seinen Freund abholt“, vermutet Dozer und schaut in den Rückspiegel. „Oder Verstärkung.“
„Scheiße, Scheiße, Scheiße“, murmele ich, als ich wieder nach vorne schaue. Ich sehe Dozer in einem neuen Licht, sein dunkles Profil mit den angewinkelten Wangenknochen und den vollen Lippen sieht sehr gut aus, und er scheint überhaupt nicht beunruhigt zu sein. „Du hast den Kerl angeschossen.“
„Ich hätte auch den anderen angeschossen, wenn er weiter auf uns zu gekommen wäre.“
„Du wirst Ärger bekommen“, schimpfe ich.
„Darum kümmere ich mich später“, entgegnet er und wirft mir einen kurzen Blick zu. „Ruf deine Mutter an. Planänderung. Sag ihr, sie soll bitte nicht ins Hotel, sondern direkt zu meinem Vater fahren. Er wird ihr aufmachen.“
Ich reiße die Augen auf, als er mir die Adresse nennt. „Wir fahren zu deinem Vater?“
Dozer beißt die Zähne zusammen und nickt. „Es ist jetzt, wo wir wissen, dass sie aktiv nach dir suchen, der sicherste Ort für uns.“
„Zu deinem Vater? Echt?“ Es ist der letzte Ort auf der Welt, von dem ich dachte, dass Dozer ihn aus freien Stücken aufsuchen würde.
Zu meinem Erstaunen schenkt mir Dozer ein kurzes, strahlendes Lächeln. „Ich werde seine Anwesenheit ertragen, um dich, Thea und deine Mutter zu beschützen, bis wir eine Lösung gefunden haben.“
Ich sauge seine willkommene Unbeschwertheit in mich auf – genau das brauche ich gerade. „Du musst mich sehr lieben, um die Anwesenheit deines Vaters zu ertragen.“
Das war eine unbedachte Aussage, die als Scherz gemeint war. Ich meine, natürlich liebt Dozer mich ebenso wie ich ihn.
Als eine Freundin.
Aber Dozers Lächeln verrutscht ein wenig, bevor er antwortet: „Ich mag dich ganz gern, und wir werden nur kurz bei ihm bleiben, bis wir etwas Besseres gefunden haben.“
Ich antworte nicht, sondern rufe meine Mutter an und schicke sie nach Key Biscayne, wo Dozers Vater wohnt.

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